Rediscovering locations of „The Cold Heart“ and comparing the film stock

After filming on locations of „The Cold Heart“ in Berlin 2020, we digitalised the developed negatives at the Lichtspiel / Cinematheque of Berne and are finally able to compare our recordings with Karl Ulrich Schnabels film.

Vergleich zwischen einer Szene aus „Das Kalte Herz“ (1933, links, gedreht mit einer Ciné-Kodak B) und Aufnahmen, die im Jahr 2020 mit einer Ciné-Kodak BB (1929) und abgelaufenem Kodachrome-Material gefilmt wurde.

It seems that time stood still for over 80 years. On closer inspections, you can see new buildings, modifications or modern cars and clothes. But the film look is quite similar. By comparing, you have to consider that the film positives by Karl Ulrich Schnabel are a copy of a copy. For editing, he copied his camera negatives to an intermediate positive. But most of the found footage is another generation of copy. For the restoration work on „The Cold Heart“, we had only a few meters of original camera negatives available that we can compare with the final screening print:

Vergleich eines Kamera-Negativs, Intermed-Positivs und der Positiv-Kopie des selben Filmbildes aus dem Jahr 1932 (Kopie 1933) sowie einer VHS-Kopie von 1991. Szene aus "Das Kalte Herz" (1933) von Karl Ulrich Schnabel. (c) Ann Mottier-Schnabel / Raff Fluri
Szene aus „Das Kalte Herz“ (1933) von Karl Ulrich Schnabel. Vergleich eines Kamera-Negativs, Intermediate-Positivs und der Positiv-Kopie des selben Filmbildes aus dem Jahr 1932 (Kopie 1933) sowie einer VHS-Kopie von 1991. Berücksichtigt man diese Qualitätsverluste beim Vergleich, so werden die Aufnahmen von Karl Ulrich Schnabel in etwa gleich detailliert gewesen sein wie die neuen Aufnahmen im Jahr 2020.

If you have this quality loss in mind, you can understand the image details that differ between the footage of 1932 and our recordings in 2020. We can assume that Karl Ulrich Schnabels camera negatives might had almost the same detail level and quality as our 16mm negatives.

Mit der Ciné-Kodak BB an Originalschauplätzen

Filming with a Ciné Kodak BB (1929) in Berlin (English & video below)

Kürzlich kam in der Kinemathek Lichtspiel in Bern ein Bestand an unbelichteten Film- und Fotonegativen zum Vorschein. Darunter hatte es auch Doppel-8-Filme, die 1984 abgelaufen sind. Dies brachte Raff Fluri auf eine Idee: Doppel-8 lässt sich auch als 16mm belichten! Und so nahm er spontan seine Ciné-Kodak BB aus dem Jahr 1929 mit nach Berlin.

Prêt à tourner: Ciné-Kodak BB, a camera model similar to the one Karl Ulrich Schnabel used to film parts of „The Cold Heart“.

Karl Ulrich Schnabel filmte hier nämlich vor über 80 Jahren ebenfalls mit einer etwas älteren Ciné-Kodak B. Dies fanden wir heraus, indem wir während der Restaurierung seines Films „Das Kalte Herz“ das Filmmaterial genauer unter die Lupe nahmen. Und so begab sich Raff an Originalschauplätze und versuchte, seine Aufnahmen möglichst nahe an die Originaleinstellungen zu bringen.

Franz Schnyder in „The Cold Heart“ (1932, left), Raff Fluri measuring the lights at the same spot, 90 years later (right).

So filmten sie im Schlosspark Sanssouci, bei der Friedenskirche, aber auch beim Berliner Dom.

The special thing: When Karl Ulrich Schnabel filmed in front of the cathedral in 1932, he saw the Berlin palace, too. But the original one, not the rebuilt one we can see today.

Beim Filmen mit der alten Kamera und den abgelaufenen Negativ-Filmen gab es bestimmte Punkte zu beachten:

  • Die Belichtungs-Angaben auf der Kamera haben keine Gültigkeit mehr, da die Filme inzwischen viel lichtempfindlicher wurden als die Produkte, die es Anfang der 1930er-Jahre gab.
  • Da die Doppel-8-Negative seit 30 Jahren abgelaufen sind und durch Alterung an Empfindlichkeit verloren haben, musste überbelichtet werden. Raff rechnete mit 1/3 pro 10 Jahren, andere gehen von 1 stop pro 10 Jahren aus. Zu Testzwecken belichtete Raff das selbe Motiv jeweils mit einer Blende höher und tiefer – das Resultat wird in Video Teil 2 gezeigt.
Over-exposing the expired Kodachrome films.
  • Die Doppel-8-Röllchen mussten mit einer Spitzzange leicht manipuliert werden, damit sie in der Kamera verwendet werden konnten. Auch wenn die Kamera bloss mit 16 Bildern pro Sekunde läuft, bieten die 7.5m-Röllchen nur ein kurzes Vergnügen.
Changing the slightly modified reels. A Double-8 reel is not much in 16mm terms…;)

Kodachrome-Filme können bekanntlich nicht mehr farbig entwickelt werden. Die Aufnahmen werden deshalb als Schwarzweiss-Negative entwickelt.

Franz Schnyder in „The Cold Heart“ (1932, left) and the Ciné-Kodak BB filming the same spot 90 years later on 16mm film.

Viel Spass mit der kleinen Trilogie, die dabei entstanden ist:

Recently, we found a stock of Double-8 footage expired in 1984. So we decided to go on the traces of „The Cold Heart“ and film on locations in Berlin last summer 2020. The special thing: We used a camera similar to the one Karl Ulrich Schnabel had in 1932.
We visit filmmaker Dagie Brundert in her dark room in Berlin where she explains how she developed the Kodachrome Double 8 as 16mm film. Now we can see the first results…

Ein spannendes Detail, das uns Dagie erzählt hat: Die aktuellen Lockdowns in den verschiedenen Ländern haben dazu geführt, dass die Leute vermehrt ihre Keller und Estriche ausmisten. Dabei kommen nicht selten Kameras der Vorfahren zum Vorschein, in denen ein teilweise belichteter Film liegt. Häufig lohnt es sich, diese Filme unter Vorsichtsmassnahmen dennoch entwickeln zu lassen, selbst wenn sie schon vor mehreren Jahrzehnten belichtet wurden. Dabei bemerkte Dagie Brundert, dass die Aufnahmen aus früheren Jahren oft noch in besserer Qualität erscheinen, als neu Belichtetes auf das selbe Material.

After digitalizing the film material at the Lichtspiel / cinematheque Berne, we can compare our recordings to Karl Ulrich Schnabel’s.

Biographie über den Hauptdarsteller Franz Schnyder

Anfang Mai 2020 erschien ein längst überfälliges Werk in Buchform: Eine umfangreiche Biographie über einen der erfolgreichsten Schweizer Filmregisseure, Franz Schnyder. „Das Kalte Herz“ hat in Schnyders Leben rückblickend eine grosse Bedeutung, zeigt es den Filmemacher doch in jungen Jahren und von einer anderen, ungewohnten Seite.

Franz Schnyder Biographie von Ursula Kähler und Raff Fluri

Aufgrund der Situation mit Covid & Co fand die Vernissage bei Ihnen zu Hause statt. Sie waren am 7. Mai um 19.30h nicht daheim? Kein Problem: Sie können eine gekürzte Fassung der Veranstaltung hier ansehen.

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American Premiere in Berkeley

The first public screening of Karl Ulrich Schnabel’s Film “The Cold Heart” at the Pacific Film Archive in Berkeley was well received, a success in every way.
The screening on 2nd of March 2019 was attended by a number of family members of the main actors: Stefan Schnabel’s sons Peter and David, Wendy Robushi, and Franz Schnyder’s (lead actor) great niece Sophie Lamparter. François and Ann Mottier-Schnabel were also present, representing the director Karl Ulrich Schnabel and restoration coordinator Raff Fluri. We are glad to share some pictures:

Die Schauspielschule, Lilli Palmer und das Kalte Herz

Viele Darsteller und Statisten konnte Karl Ulrich Schnabel über seinen Bruder Stefan Schnabel gewinnen. Dieser studierte zu dieser Zeit an der Schauspielschule von Ilka Grüning und Lucie Höflich im selben Jahrgang wie Franz Schnyder (*05. März 1910 – † 08. Februar 1993) in Berlin, wodurch dieser zu seiner ersten und einzigen Hauptrolle vor der Kamera kam, aber auch die argentinische Schauspielerin Juanita Sujo (*14. Juli 1913 – † 12. Juli 1961, siehe weiter unten) zu ihrer ersten Filmrolle als Mutter von Peter Munk. Dass die bekannte deutsche Schauspielerin Lilli Palmer nicht beim „Kalten Herz“ mitwirkte, hatte wohl lediglich mit Zeitmangel zu tun.

FranzSchnyder(rechts)mitStatisten_SzeneAusDemFilmDasKalteHerz1933

Franz Schnyder (rechts im Vordergrund) mit Statisten, die meisten wahrscheinlich aus Grünings und Höflichs Schauspielschule.

Denn Lilli Palmer war in der selben Klasse wie Sujo, Schnabel und Schnyder. In der Autobiographie „Dicke Lilli – gutes Kind“ schreibt Palmer zwar nichts von Stefan Schnabel und Franz Schnyder, aber dass sie sich stets nahe an Sujo gehalten habe, die schon damals eine talentierte Schauspielerin gewesen sei und eigentlich gar keinen Unterricht gebraucht hätte. Sehr eindrücklich schildert Palmer ihre Freundschaft zu Juanita Sujo und beschreibt die Stimmung in der Schauspielschule, und wie die beiden Lehrerinnen Ilka Grüning und Lucie Höflich ihre 24 SchülerInnen unterrichtet haben. Dass Lilli Palmer nicht im Kalten Herz mitgespielt hat, hat wohl lediglich damit zu tun, dass ihr Vater von ihr verlangte, parallel zur Schauspielschule – die sie freiwillig besuchen wollte – auch noch das Gymnasium zu absolvieren. So lernte sie vormittags während dem Gymnasium für die Schauspielschule, während sie am Nachmittag in der Schauspielschule fürs Gymnasium lernte. Die restlichen Hausaufgaben mussten abends erledigt werden und so verblieb kaum mehr Zeit für ein weiteres Engagement.
Am 23. April 1932 traten die SchauspielstudentInnen im Schubert-Saal an der Bülowstrasse 104 in Berlin zur Studio-Prüfungsaufführung an. Aufgeführt wurden Szenen aus unterschiedlichen Werken. Schnyder spielte Figuren aus Gerhard Hauptmanns „Rose Bernd“, „Cyprienne“ von Sardou und Najac, von der Presse wurde er aber besonders für seine Performance als Peer Gynt gelobt. Stefan Schnabel, Juana Sujo und Lilli Palmer standen an diesem Abend mit ihm auf der Bühne, ebenfalls in verschiedenen Rollen.

Neue Erkenntnisse über die Schauspielerin Juana Sujo

Juana Sujo spielt in „Das Kalte Herz“ die Mutter von Peter Munk (Franz Schnyder). Die bekannte argentinische Schauspielerin hat hier ihre erste Leinwandrolle. Gemäss der als verlässlich geltenden Filmdatenbank imdb.com sowie dem Eintrag auf wikipedia.org kam Sujo im Jahr 1918 in Buenos Aires zur Welt. Glaubt man dem Gelesenen, dann wäre die Darstellerin von Peter Munks Mutter im Film erst 14 Jahre alt! Eine lustige Vorstellung. Erst die beiden Publikationen Marquez, Carlos: „Juana Sujo: impulsora del teatro contemporáneo venezolano“, Fondo Editorial FUNDARTE, Alcaldia de Caracas 1996; und Dembo, Miriam: „Juana Sujo: (1913-1961)“, Editora El Nacional: Fundación Bancaribe (2009), brachten Klarheit: Entweder ein Fehler vom Texterkennungsprogramm oder ein Vertipper machte aus der Drei eine Acht, und schnell verbreitete sich die Falschinformation im Internet.

Pssst! Juana Sujo als Munk's Mutter in "Das Kalte Herz"

Pssst! Juana Sujo als Munks Mutter in „Das Kalte Herz“

Juanita Sujo (*14. Juli 1913 – † 12. Juli 1961) kam als Kind mit ihren Geschwistern nach Berlin und war an der Schauspielschule von Ilka Grüning und Lucie Höflich im selben Jahrgang wie Franz Schnyder (*05. März 1910 – † 08. Februar 1993) und Stefan Schnabel (*12. Februar 1912 – †11. März 1999). Mit dem Wissen über diese geschichtlichen Fakten konnten wir auf imdb.com und Wikipedia die Angaben über Juana Sujo korrigieren lassen.

An den Neuenbürger Filmtagen

Schön war es einmal mehr, im Schwarzwald. Im einmaligen Ambiente auf dem Schloss wurde am Samstag, 17. März Das Kalte Herz gezeigt. Vielen Dank an die Organisatoren der Neuenbürger Filmtage, die mit viel Herzblut und Engangement den sympathischen Anlass auf dem Schloss seit 17 Jahren durchführen. Herzlichen Dank für die Gastfreundschaft! 🙂

Raff Fluri gemeinsam mit dem Publikum am 17. März im Schloss Neuenbürg. Passend zu der schönen Location und dem Film schneite es vor den Fenstern im dunkeln Schwarzwald. Und ja, weiter rechts ausserhalb des Bildes hat es ebenfalls Publikum. ;) Foto: Anita Molnar (Pforzheimer Zeitung)

Raff Fluri gemeinsam mit dem Publikum am 17. März im Schloss Neuenbürg. Passend zu der schönen Location und dem Film schneite es vor den Fenstern im dunkeln Schwarzwald. Und ja, weiter rechts ausserhalb des Bildes hat es ebenfalls Publikum. 😉 Foto: Anita Molnar (Pforzheimer Zeitung)

Nachdem am Freitag in der Pforzheimer Zeitung schon mal eine kleine Vorschau erschienen ist, gibts nun auch einen interessanten Artikel über den Abend selbst. Eine schöne Erinnerung – viel Spass bei der Lektüre!

25. Todestag von Franz Schnyder

Am 8. Februar jährte sich der Todestag von Franz Schnyder zum 25. Mal. Schnyder war einer der erfolgreichsten Regisseure in der Geschichte des Schweizer Films. In seinen frühen Jahren besuchte er die Schauspielschule von Ilka Grüning in Berlin, wo er 1932 über Stefan Schnabel zur Hauptrolle in DAS KALTE HERZ kam.

Weitere Texte über Franz Schnyder und Das Kalte Herz erscheinen 2018 im Filmblatt (herausgegeben von Cinegraph Babelsberg) sowie im Burgdorfer Jahrbuch 2019.

Das Kalte Herz am Zürcher Filmtalk

Am Donnerstag, 11. Januar fand im Kino Xenix der Zürcher Filmtalk zum Thema „Vergessene Schweizer Filme“ statt.

Obwohl Das Kalte Herz ja eigentlich ein Deutsches Projekt war und erst durch die Fertigstellung auch zu einem Schweizer Film wurde, durfte Projektleiter Raff Fluri gemeinsam mit der leitenden Restaurateurin Brigitte Paulowitz (Kinemathek Lichtspiel, Bern) an der Diskussion vor einem hochkarätigen Publikum teilnehmen. Humorvoll durch den Abend moderiert hat die Filmwissenschaftlerin Marcy Goldberg.