Mit der Ciné-Kodak BB an Originalschauplätzen

Filming with a Ciné Kodak BB (1929) in Berlin (English & video below)

Kürzlich kam in der Kinemathek Lichtspiel in Bern ein Bestand an unbelichteten Film- und Fotonegativen zum Vorschein. Darunter hatte es auch Doppel-8-Filme, die 1984 abgelaufen sind. Dies brachte Raff Fluri auf eine Idee: Doppel-8 lässt sich auch als 16mm belichten! Und so nahm er spontan seine Ciné-Kodak BB aus dem Jahr 1929 mit nach Berlin.

Prêt à tourner: Ciné-Kodak BB, a camera model similar to the one Karl Ulrich Schnabel used to film parts of „The Cold Heart“.

Karl Ulrich Schnabel filmte hier nämlich vor über 80 Jahren ebenfalls mit einer etwas älteren Ciné-Kodak B. Dies fanden wir heraus, indem wir während der Restaurierung seines Films „Das Kalte Herz“ das Filmmaterial genauer unter die Lupe nahmen. Und so begab sich Raff an Originalschauplätze und versuchte, seine Aufnahmen möglichst nahe an die Originaleinstellungen zu bringen.

Franz Schnyder in „The Cold Heart“ (1932, left), Raff Fluri measuring the lights at the same spot, 90 years later (right).

So filmten sie im Schlosspark Sanssouci, bei der Friedenskirche, aber auch beim Berliner Dom.

The special thing: When Karl Ulrich Schnabel filmed in front of the cathedral in 1932, he saw the Berlin palace, too. But the original one, not the rebuilt one we can see today.

Beim Filmen mit der alten Kamera und den abgelaufenen Negativ-Filmen gab es bestimmte Punkte zu beachten:

  • Die Belichtungs-Angaben auf der Kamera haben keine Gültigkeit mehr, da die Filme inzwischen viel lichtempfindlicher wurden als die Produkte, die es Anfang der 1930er-Jahre gab.
  • Da die Doppel-8-Negative seit 30 Jahren abgelaufen sind und durch Alterung an Empfindlichkeit verloren haben, musste überbelichtet werden. Raff rechnete mit 1/3 pro 10 Jahren, andere gehen von 1 stop pro 10 Jahren aus. Zu Testzwecken belichtete Raff das selbe Motiv jeweils mit einer Blende höher und tiefer – das Resultat wird in Video Teil 2 gezeigt.
Over-exposing the expired Kodachrome films.
  • Die Doppel-8-Röllchen mussten mit einer Spitzzange leicht manipuliert werden, damit sie in der Kamera verwendet werden konnten. Auch wenn die Kamera bloss mit 16 Bildern pro Sekunde läuft, bieten die 7.5m-Röllchen nur ein kurzes Vergnügen.
Changing the slightly modified reels. A Double-8 reel is not much in 16mm terms…;)

Kodachrome-Filme können bekanntlich nicht mehr farbig entwickelt werden. Die Aufnahmen werden deshalb als Schwarzweiss-Negative entwickelt.

Franz Schnyder in „The Cold Heart“ (1932, left) and the Ciné-Kodak BB filming the same spot 90 years later on 16mm film.

Viel Spass mit der kleinen Trilogie, die dabei entstanden ist:

Recently, we found a stock of Double-8 footage expired in 1984. So we decided to go on the traces of „The Cold Heart“ and film on locations in Berlin last summer 2020. The special thing: We used a camera similar to the one Karl Ulrich Schnabel had in 1932.
We visit filmmaker Dagie Brundert in her dark room in Berlin where she explains how she developed the Kodachrome Double 8 as 16mm film. Now we can see the first results…

Ein spannendes Detail, das uns Dagie erzählt hat: Die aktuellen Lockdowns in den verschiedenen Ländern haben dazu geführt, dass die Leute vermehrt ihre Keller und Estriche ausmisten. Dabei kommen nicht selten Kameras der Vorfahren zum Vorschein, in denen ein teilweise belichteter Film liegt. Häufig lohnt es sich, diese Filme unter Vorsichtsmassnahmen dennoch entwickeln zu lassen, selbst wenn sie schon vor mehreren Jahrzehnten belichtet wurden. Dabei bemerkte Dagie Brundert, dass die Aufnahmen aus früheren Jahren oft noch in besserer Qualität erscheinen, als neu Belichtetes auf das selbe Material.

After digitalizing the film material at the Lichtspiel / cinematheque Berne, we can compare our recordings to Karl Ulrich Schnabel’s.

Biographie über den Hauptdarsteller Franz Schnyder

Anfang Mai 2020 erschien ein längst überfälliges Werk in Buchform: Eine umfangreiche Biographie über einen der erfolgreichsten Schweizer Filmregisseure, Franz Schnyder. „Das Kalte Herz“ hat in Schnyders Leben rückblickend eine grosse Bedeutung, zeigt es den Filmemacher doch in jungen Jahren und von einer anderen, ungewohnten Seite.

Franz Schnyder Biographie von Ursula Kähler und Raff Fluri

Aufgrund der Situation mit Covid & Co fand die Vernissage bei Ihnen zu Hause statt. Sie waren am 7. Mai um 19.30h nicht daheim? Kein Problem: Sie können eine gekürzte Fassung der Veranstaltung hier ansehen.

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American Premiere in Berkeley

The first public screening of Karl Ulrich Schnabel’s Film “The Cold Heart” at the Pacific Film Archive in Berkeley was well received, a success in every way.
The screening on 2nd of March 2019 was attended by a number of family members of the main actors: Stefan Schnabel’s sons Peter and David, Wendy Robushi, and Franz Schnyder’s (lead actor) great niece Sophie Lamparter. François and Ann Mottier-Schnabel were also present, representing the director Karl Ulrich Schnabel and restoration coordinator Raff Fluri. We are glad to share some pictures:

Das Kalte Herz – The Cold Heart (1933-2016)

Ein Märchenfilm von Karl Ulrich Schnabel, mit Franz Schnyder, Elfriede Gärtner und Stefan Schnabel. Originalmusik von Robert Israel.

A film by Karl Ulrich Schnabel, starring Franz Schnyder, Elfriede Gärtner and Stefan Schnabel. Feat. original music by Robert Israel.

Dreh von Das Kalte Herz

Karl Ulrich Schnabel beim Dreh mit Franz Schnyder, unterstützt von zwei tatkräftigen Assistentinnen. (Foto: Schnabel Music Foundation LLC)

1932/33 drehten junge Theater- und Musikschaffende in Berlin einen Film. Regie führte der  bekannte Pianist Karl Ulrich Schnabel. In der Hauptrolle ist einer der erfolgreichsten Regisseure in der Geschichte des Schweizer Films zu sehen: Franz Schnyder. Es ist der einzige Film, in dem er als Schauspieler mitwirkte.

Im Jahr 2016 – rund 83 Jahre später – kommt das einzigartige Werk endlich auf die grosse Leinwand. Fertig geschnitten, digital restauriert und mit einer faszinierenden Musiktonspur des bekannten Komponisten Robert Israel, feierte der Film am 3. Juli am Neuchâtel International Fantasy Film Festival Weltpremiere.

Ann Schnabel Mottier with Robert Israel - official photo taken by NIFFF photographer.

Ann Schnabel Mottier with Robert Israel – official photo taken by NIFFF photographer.

Der nachfolgende Bericht von Pierre Hagmann, erschienen in der Berner Zeitung vom 5. Juli 2016, fasst den denkwürdingen Event der ersten öffentlichen Vorführung sehr schön zusammen:

erschienen in der Berner Zeitung vom 5. Juli 2016.

erschienen in der Berner Zeitung vom 5. Juli 2016.